In der Wohnung eines Blinden

„Direkt vom Vermieter: 2Zi. Ferienwohnung, barrierefrei, Hund erlaubt, Vermietung ab 3 Übernachtungen. Rufen Sie an: …“
Ayleen putzte grade ihre Zähne, als im Radio die neuen Inserate vorgelesen wurden. Spontan dachte sie „Ja, das werde ich mir gönnen.“ Laut rief Elke: „Hugo, freu´ Dich, wir werden ein paar Tage Spaß an der Ostsee haben.“
Hugo sprang fröhlich ins Bad und schaute seine Herrin voller Erwartung an.

Am Wochenende darauf waren Ayleen und ihr Golden Retriever Hugo nach einer zweistündigen Zugfahrt in Flensburg angekommen. Mit dem Taxi fuhren die Beiden weiter nach Glücksburg.
Der Schlüssel zur Ferienwohnung lag unter der Fußmatte.

„Hugo, jetzt wird´s spannend!“

Sagte Ayleen, während sie die Wohnungstür aufschloss. Hugo´s Leine behielt sie in der Hand, damit er erstmal bei ihr bleiben musste. Gleich links auf dem Schuhschränkchen im Flur lag ein Notizbuch mit der Aufschrift „Bitte lesen“ Darunter waren die Worte sogar in Blindenschrift geprägt.
Sämtliche Informationen über die Wohnung und die nähere Umgebung waren in gedruckter und geprägter Version lesbar.

Ayleen freute sich über diese Aufmerksamkeit. Lächelnd studierte sie die ersten Seiten. „Hugo, hier steht geschrieben, daß die erste Tür rechts ins Wohnzimmer führt. Dort will ich hin.“ Die Leine von Hugo straffte sich und der Blindenhund führte Ayleen ins Wohnzimmer.

„Perfekt. Danke, mein Süsser.“ Lobte Ayleen den klugen Vierbeiner.

Im Wohnzimmer bot ein Panoramafenster traumhafte Aussicht. Eine moderne Wohnlandschaft lud zum Erholen ein.

Auf dem niedrigen Wohnzimmertisch entdeckte Ayleen die angekündigte Fernbedienung. Sie drückte die Wahltaste Sprachsteuerung. Eine weibliche Stimme fragte nach ihren Wünschen.

„Ich möchte Kaffee trinken.“ Sagte Ayleen und warte gespannt auf die Antwort. Die Fernbedienung forderte sie auf: „Gehen Sie zurück in den Flur. Drehen Sie sich nach links und nach vier Schritten werden Sie die Tür zur Küche erreicht haben.“ Ayleen drückte die Stopptaste und tat was ihr die Stimme geraten hatte.
„Sie sind jetzt in der Küche.“ Informierte die Stimme. Für einen blinden Menschen wäre diese Information wichtig. „Gehen Sie zwei Schritte nach rechts. Auf der Anrichte steht die Kaffeemaschine. Sie funktioniert per Sprachsteuerung. Bitte folgen Sie den Anweisungen.“

„Wow“ sagte Elke, „das ist ja cool.“ Begeistert blickte sie sich in der futuristischen Küche um.
Ayleen bildet Blindenhunde aus. Der gemeinsame Kurzurlaub in Glücksburg war gleichzeitig die letzte Trainingseinheit für Hugo. Sie hatte den gelehrigen Hund zur Abschlussprüfung am Dienstag angemeldet.